Wie senke ich den virtuellen Wasserverbrauch?

Wer im Haushalt und Garten weniger Wasser verbraucht, schont in erster Linie den eigenen Geldbeutel. Aus umweltbewussten Gründen kann Wasser sparen darüber hinaus an Bedeutung gewinnen. Wir Bewohner der westlichen Welt konsumieren alltäglich jede Menge Wasser jenseits unseres eigenen Zuhauses. Aktuell gibt es detaillierte Angaben hinsichtlich eines ökologischen Fußabdrucks. Gemeint ist damit die biologische Kapazität, die von der menschlichen Aktivität in Anspruch genommen wird.

Der virtuelle Wasserverbrauch findet bei diesen Berechnungen keine Berücksichtigung. Über den Wasser-Fußabdruck liegen bislang lediglich Schätzungen vor. Das meiste Wasser verschlingt die Nahrungsmittelherstellung. Dabei steht die Fleischproduktion relativ weit oben auf der Liste des Wasserbedarfs zur Erzeugung von Produkten. Um ein Beispiel zu nennen: In einem Kilo Rindfleisch stecken im weltweiten Durchschnitt etwa 16.000 Liter virtuelles Wasser. Eingerechnet ist hier sowohl das Wasser für Haltung und Tränke der Tiere als auch die Bewässerung der Futterpflanzen. Im Vergleich dazu erfordert ein Kilo Kartoffeln aus deutschem Anbau etwa 250 Liter. Selbst wenn wir hier bei uns achtsam mit Wasser umgehen, kann der Konsum den Wasserhaushalt von Ländern, in denen Wasserarmut herrscht, ernsthaft bedrohen.

Grundsätzlich nimmt jeder Verbraucher mit verantwortungsbewussten Kaufentscheidungen Einfluss auf den globalen Wasserverbrauch.

  • Obst und Gemüse aus regionalem Anbau fügen dem weltweiten Wasserhaushalt keinen Schaden zu, denn Deutschland gehört zu den wasserreichen Ländern. Erfreulicher Zusatzeffekt: Weil lange Transportwege entfallen, reduzieren sich als Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz die Treibhausgase.

  • Saisonale Früchte favorisieren. Im Winter angebotene Erdbeeren stammen garantiert aus bewässerungsintensivem Anbau in Südeuropa oder noch weiter entfernten Regionen. Während der kalten Monate bietet sich insbesondere der Verzehr von Äpfeln an, zumal viele Sorten erst nach einer gewissen Lagerzeit richtig gut schmecken. Im Sommer ist der Tisch ohnehin reich gedeckt mit vielen Früchten, die von hiesigen Beeren- und Obstgehölzen stammen. Gemüse und Salate sind das ganze Jahr über frisch verfügbar, denn Lauch, Grün- und Rosenkohl, Chicorée, Feld- und Endiviensalat haben von November bis Februar Saison.

  • Blumen sind mittlerweile das wichtigste Exportgut Kenias. Mehr als die Hälfte aller bei uns im Handel offerierten Rosen kommen aus dem ostafrikanischen Land. Fruchtbare Böden und ein warmes Klima bieten Idealbedingungen für die Blumenindustrie. Um die Frischwasserzufuhr zu sichern, befinden sich viele Plantagen rund um den Naivasha-See, der für seine Artenvielfalt bekannt ist. Zunehmende Wasserentnahme und mit Pestiziden und anderen Chemikalien verunreinigte Abwässer fordern ihren Tribut. Der Wasserspiegel des Sees sinkt und das Ökosystem droht zusammenzubrechen.

  • Die Baumwollproduktion inklusive Bewässerung der Felder vertilgt enorm viel Wasser. Schätzungen zufolge, liegt der Bedarf für ein T-Shirt bei über 2000 Liter. Der Anbau erfolgt bevorzugt in trockenen Regionen, weil Niederschläge den Knospen schaden. Saugen sich die Samenhaare in den watteähnlichen Baumwollkapseln mit Wasser voll, besteht das Risiko, dass sie verfaulen. Dennoch brauchen die Gewächse reichlich Wasser. Baumwollfasern sind aufgrund ihrer Hautverträglichkeit sehr beliebt. Auch wenn der Anteil noch gering ist, mittlerweile findet vereinzelt ökologischer Anbau von Baumwolle statt.
    Ansonsten gilt: Je länger Textilien genutzt werden, umso günstiger fällt ihre Ökobilanz aus. Wer darüber Bescheid weiß, wie viel Wasser der Anbau von Baumwolle verschlingt, achtet vielleicht verstärkt auf Qualität und kauft dafür seltener neue Kleidung. Die Erzeugung von Hanf und Leinen erfordert nur etwa ein Viertel der Wassermenge, im Vergleich zu Baumwolle. Ansonsten bietet sich der Kauf von Second-Hand-Ware an. Abgelegte Kleidung verschenken oder für wenig Geld veräußern, trägt gleichfalls zur Senkung des virtuellen Wasserverbrauchs bei.